Kampf im Käfig

Sie sind die Gladiatoren unserer Zeit.

Zwei Kämpfer sperren sich in einen Käfig um zu kämpfen. Mann gegen Mann, ohne Waffen, aber mit roher Körpergewalt. Sie kämpfen, bis der Schwächere das Bewusstsein verliert oder aufgibt. Und das Publikum johlt.

“ Ich will da rein und dann so schnell wie möglich wieder raus. Verlieren ist keine Option.“

sagt Patrik Berisha. Der 30-Jährige Luzerner ist einer von diesen Kämpfern. MMA oder Mixed Martial Arts heisst der Sport, der vor einigen Jahren als „Free Fight“, Kampf ohne Regeln bekannt wurde.

Ist MMA eine organisierte Schlägerei für ein gewaltverherrlichendes Publikum oder doch eine ernstzunehmende Sportart, die hartes Training und viel Disziplin erfordert? Welche Vorbereitung hinter einem MMA Kampf steckt und warum Patrik Berisha immer wieder in diesen Käfig steigt um zu Kämpfen,  zeigt der folgende Film:

 

 

MMA Mixed Martial Arts – Was dahinter steckt

Der Sport

Mixed Martial Arts oder zu Deutsch „Gemischte Kampfkünste“ gilt als die härteste Vollkontaktsportart überhaupt. Der Kampf enthält Elemente aus verschiedenen Kampfsportarten wie Boxen, Kickboxen, Karate, Jiu Jitsu, Judo, Ringen oder Wrestling. Viel ist erlaubt, nur wenig verboten. Wenn ein Kämpfer zu Boden geht, ist der Kampf noch lange nicht vorbei. Und auch Blut ist kein Grund, den Kampf zu unterbrechen.

Rohe Gewalt oder spektakulärer Kampfsport? Ausschnitte aus Patrik Berishas letztem Kampf in Hamburg:

 

Die Regeln

Die Kämpfe sind brutal und auch als Zuschauer sicher nicht jedermanns Sache. Eine Schlägerei ohne Regeln ist MMA aber nicht. Es gibt eine lange Liste mit Regeln. So ist es etwa verboten den Gegner zu beissen oder an den Haaren zu zerren. Auch in die Augen fassen, Kopfstösse zu verpassen oder auf den Kopf des am Boden liegenden Gegners zu treten ist verboten.

Die Regeln gibt die amerikanische MMA Liga UFC (Ultimate Fighting Championship) heraus. Danach richten sich auch ausserhalb der USA die meisten MMA Veranstaltungen.

Alle Regeln und Verbote bei MMA Kämpfen: http://www.ufc.com/discover/sport/rules-and-regulations

Auch mit diesen Regeln enden die Kämpfe immer wieder blutig. Bei jeder MMA Veranstaltung sind darum Rettungssanitäter und ein Arzt vor Ort. Das schreibt die Liga UFC vor.

Einen richtig blutigen Kampf hatte Patrik Berisha 2012 in Deutschland gewonnen. Am Ende mussten die Rettungssanitäter kommen:

 

Aber schon vor dem Kampf müssen die Kämpfer zum Gesundheits-Check. Erst wenn der Arzt sein „Okay“ gibt, darf der Kämpfer in den Käfig steigen.

 

Weitere ausführliche Informationen zu MMA gibt es von der amerikanischen Liga UFC: http://www.ufc.com/discover/

 

Die Entstehung

Die grosse Frage, die jeden Kampfsportler beschäftigt:

„Wer ist der beste, der stärkste, der tapferste Kämpfer?“

Um das rauszufinden, kombinierten die Kampfsportler Elemente aus allen Kampfsportarten, um so den ultimativen Kämpfer hervorzubringen.

In den 90-er Jahren fanden in den USA die ersten Kämpfe statt. Damals unter dem Namen „Free Fight“. Der Name war Programm: Alles ist erlaubt, fast nichts verboten. Doch die breite Öffentlichkeit war empört. In einzelnen Bundesstaaten wurde der Sport verboten. Also revolutionierte die amerikanische Liga UFC den Sport und führte klare Regeln zum Schutz der Kämpfer ein. Nun erfreute sich ein breites amerikanisches Publikum an den brutalen, aber doch geregelten Kämpfen.

Schnell verbreitete sich MMA über die ganze Weltkugel. Während sich in Europa bis heute nur eine Randgruppe für die brutalen Kämpfe interessiert, ist MMA in Asien ein riesen Trend, der tausende Zuschauer anzieht.

MMA in der Schweiz

Während in den USA Mixed Martial Arts längst salonfähig ist, gibt es in der Schweiz viel Kritik. Zu brutal sei der Sport und gefährlich für unsere Jugend, die sich solche Kämpfer als Vorbild nehmen könnte.

Die Szene ist denn auch verschwindend klein. Es gibt zwar einige Trainingscenter, offizielle Wettkämpfe werden aber kaum ausgetragen. Einen offiziellen MMA-Sportverband gibt es nicht.

Vom Swiss Olympic Committe IOC ist der Sport nicht anerkannt. Es gab aber auch noch nie eine Anfrage, heisst es beim IOC. Eine Aufnahme wäre grundsätzlich möglich. Dann müssten  MMA-Kämpfer die Ethik- und Fairnessregeln des IOC einhalten.

Das Bundesamt für Sport BASPO hat sich bisher ebenfalls nicht mit Mixed Martial Arts befasst.

„BASPO subventioniert keine Sportarten, die auf Niederschlag des Gegners aus sind. Gewisse MMA Kämpfe sind schon bedenklich bezüglich der ethischen Verträglichkeit.“

Der Schweizer Boxverband Swissboxing distanziert sich klar von MMA. Ein Interesse zur Zusammenarbeit kommt für Swissboxing Präsident Andreas Anderegg nicht in Frage.

„MMA würde Boxen in ein schlechtes Licht rücken.“

Auf politischer Ebene war MMA in der Schweiz zumindest kurz ein Thema. Ein Vorstoss forderte, MMA in der Schweiz zu verbieten. Das Anliegen wurde im Nationalrat vor einigen Jahren diskutiert, fand aber keine Mehrheit.

Trotzdem bleibt Schweizer MMA-Kämpfern wie Patrik Berisha nichts anderes übrig, als ins Ausland zu gehen um zu kämpfen. Fans aus der Schweiz verfolgen die Kämpfe im Internet via Livestream. Bis der „Kampf im Käfig“ in der Schweiz salonfähig wird, dürfte es sicher noch einige Jahre dauern.

 

 

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