Eine Stunde Ferien

Wer von Euch Luzerner Stadtkindern kennt das nicht? Ich muss nur schnell in die Migros, um einen Liter Milch zu kaufen. Und schon stecke ich mitten drin, in einem nicht enden wollenden Strom aus Touristen (mehr dazu gibt’s in meinem letzten Beitrag Mein Arbeitsweg – die Touristenattraktion).

Warum aber gegen den Strom schwimmen? Ich könnte mich doch auch einfach mal mit den ganzen Touris durch die Stadt treiben lassen. Die Idee kam mir ganz spontan, als ich mich kürzlich eines schönen Samstag Nachmittags in Mitten einer Touristengruppe wiederfand. Während ich nur schnell Milch kaufen wollte.

Bei der Schifflände bildete sich gerade eine Schlange von Asiaten, Arabern, Amerikanern. Kurzerhand stellte ich mich an. Kaufte ein völlig überteuertes Ticket für eine Schiffsrundfahrt im Luzerner Seebecken, holte mir beim KKL ein noch viel überteuerteres Glacé und betrat voller Vorfreude zusammen mit den besagten Asiaten, Arabern und Amerikanern das Schiff.

„Free Audio Guide?“ fragt ein Matrose und streckt mir Kopfhörer entgegen.

„Of course!“ Wenn schon denn schon.

Der Matrose löst die Knoten und wir stechen in See. Und ich bin überwältigt von meiner Heimat. Wie alle anderen auch, nehme ich mein Handy und mache Fotos in alle Himmelsrichtungen. Das Panorama ist unglaublich. Das Wetter für Luzerner Verhältnisse auch. Ich habe einen dieser doch eher seltenen Tage erwischt, wo kein Wölkchen das satte Blau am Himmel bricht. Durch meine Kopfhörer rieselt Wagner auf mich herab und macht die Idylle perfekt. Dazwischen Erklärungen über eben diesen Komponisten und dessen Leben in Luzern. Aber auch über die Rigi, den Pilatus und die geologischen Gegebenheiten vom Vierwaldstättersee weiss der Audio Guide Bescheid. Ich erfahre so Einiges über meine Heimat, die ich doch bestens zu kennen glaubte.

Nach einer Stunde sind wir wieder zurück an der Schifflände. Der Matrose wirft sein Seil elegant durch die Luft, es schlingt sich um den Pfosten am Festland. Anziehen, einen dicken Knoten und „Aussteigen bitte!“

Gern wär ich noch länger auf dem See geblieben. Als ich aussteige fühle ich mich so entspannt und glücklich, als wäre ich selbst hier in den Ferien.

„Thanks, bye“ sage ich zum Matrosen als ich ihm meine Kopfhörer abgebe, und vergesse für einen Moment, dass ein „Ade Merci“ auch gereicht hätte.

Ich war eine Stunde in den Ferien auf dem Vierwaldstättersee. Ich fühle mich, als wär ich eine Woche weg gewesen. Danke du wunderschönes Luzern.

 

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